Schläft ein Bild in allen Dingen

Was würdest du tun, wenn deine Hand sehen könnte?

 

Die Hand (lat./med. manus) ist ein Greiforgan und hat mit ihrem opponierbaren Daumen den Siegeszug der Primaten und Menschen eingeleitet.

Und meinen Untergang.

Denn meine Hand sieht.

Egal, ob ich will oder nicht.

Und damit ruiniert sie mir gerade mein Leben.

 

Erhältlich im Buchhandel, auf  BoD, Amazon, thalia.at und bei mir.

ISBN 9873749483440

Mike ist Masseur in einem Wellnesshotel in der Nähe von Wien, als seine Hand plötzlich bei jeder Berührung Bilder sieht. Ein Desaster für ihn und seinen Beruf.

Von einem inneren Drang geleitet flieht er nach Orcas Island.

Doch die Dinge werden dort nicht besser.

Unter lauter Hippies und Künstlern versucht er, nicht verrückt zu werden. Und auf keinen Fall jene geheimnistragende Frau zu berühren, in die er sich verliebt.

Leserstimmen:

Ich bin selbst Masseurin und es spiegelt so viel wieder! Es macht Lust auf mehr! (Kathi/amazon)

 

Wiedermal ein Spitzenbuch der Autorin! (David/amazon)

 

Leseprobe:

 

Ich nahm meinen Schlüssel und ging zur Garderobe, mich umkleiden. Die linke Hand war wirklich lästig, kribbelte und schmerzte, so was Blödes. Und das Hirn wie in Watte gepackt, klebrige Zuckerwatte statt zündende Synapsen. Konnte man von einer Abschürfung irgendwelche Krankheiten kriegen? Tollwut? Ich musste lachen. Klar, die berühmte Heizkörper-Tollwut. Ich war wirklich daneben heute.

 

Auch wenn mein erster Klient fast wie das grauenvolle Gasthaus hieß, so wirkte er freundlich und schweigsam, und seiner Körperhaltung nach hatte er keine gröberen Probleme.

Fast entschuldigend sagte er: "Wenn wir schon in diesem wunderbaren Hotel sind, dann muss man das nützen, nicht? Die Vorträge sind anstrengend genug, da kann so ein wenig Entspannung am Morgen nichts schaden."

"Ganz recht. Was für ein Öl darf ich denn verwenden? Ich würde zu einem belebenden Orangen-Zitronenöl raten. Ist eine Spezialmischung unseres Hotels, das hält Sie den ganzen Tag munter." Wie hohl meine Stimme klang. Wie ein Typ aus der Fernsehwerbung, richtig peinlich. Redete ich immer so?

"Gerne." Mit einem Seufzer legte sich der Mann auf die Liege, ließ sich von mir mit einem Leintuch zudecken. Ich verteilte Öl in meinen Händen, darauf bedacht, die aufgeschürften Stellen auf meiner Linken davon zu verschonen. Einmal Entspannung, da konnte ich meine Gedanken schweifen lassen. Ausnahmsweise war mir gar nicht danach, mich der Herausforderung harter Knoten zu stellen. Dieser problemlose Mann kam meinem wattigen Gefühl sehr entgegen.

Ich schlug das Leintuch ein wenig zurück, betrachtete die Schulterregion. Wenig Muskulatur, wenig Fett. Typ Marathonläufer, zumindest in der Jugend mal gewesen, dynamischer Mensch.

Behutsam legte ich meine Hände auf die Schulterblätter.

Ein greller Blitz fuhr mir in den Kopf. Ein Ledergürtel, der knallend auf meine Schultern niederfuhr. Schmerz, dass ich mich krümmte. Zorn. Eine junge Frau, deren hassblitzende Augen mir bis ins Fleisch schnitten. Der Blick von einer hohen Brücke, ewiger Abgrund in eisigem Wind, Verzweiflung, die mein Herz umklammerte, dass ich springen wollte.

Ich starrte meine Hände an, riss sie empor. Keuchte. Starrte den Mann auf der Liege an. Übelkeit wallte in mir hoch, ich konnte noch die Hand vor den Mund pressen und hinausrennen, den Gang hinunter, die Toilettentüre aufreißen, ehe ich mich übergab.

Eine Weile saß ich auf der Klobrille, starrte meine Hände an.

Muskeln speicherten Energie. Speicherten Zucker. Aber doch keine Erinnerungen. Die saßen im Hirn. Waren das überhaupt Erinnerungen gewesen? Oder war ich vorgestern in dem Gasthaus wahnsinnig geworden?

Ich sollte zurückgehen. Man ließ einen Klienten nicht einfach alleine auf der Liege zurück. Ich musste verrückt geworden sein. Halluzinationen. Doch Pilze. Mit verdammt langer Wirkung.

Ich wusch mir die Hände, das Wasser brannte in den Abschürfungen. Ich starrte in den Spiegel über dem Waschbecken. In meinen Augen meinte ich immer noch die Spiegelung des eisigen Wassers tief unter der Brücke zu sehen.

Ich zwang mich, tief zu atmen. Reiß dich zusammen, Mike. Das bist du. Das ist dein Körper. Da sind keine Striemen eines Gürtels auf deinen Schultern, nur der weiche Stoff deines weißen T-Shirts. Siehst du die Stickerei auf deiner Brusttasche? Michael Kranzmayer.

Je länger ich meinen Namen anstarrte, umso mehr beruhigte sich mein Magen und ich spürte mich wieder. Das kalte Wasser auf meinen Händen. Meine Füße in den Clogs, die Position meiner Wirbelsäule, die Grenzen meiner Haut.