Band drei der Orcas Island Trilogie

 

Die Ehe ist ein Bund fürs Leben,

geschlossen aus Liebe,

in guten wie in schlechten Zeiten.

Unsere begann recht überstürzt.

Nun kann es doch nur besser werden ...

 

Mike, dessen Hand immer noch Erinnerungen sehen kann, genießt mit Mia auf Orcas Island die Zeit als werdende Eltern, doch ihr junges Glück gerät in einen Strudel aus großartigen Gelegenheiten und beängstigenden Begegnungen.

Wird die Idee seiner Tante alles noch schlimmer machen?

 

Ab März 2021 erhältlich bei amazon, thalia.at, morawa.at oder in meinem Shop.

ISBN 9783753407555

Leseprobe:

 

Der Motor des Bootes setzte aus. Leise schwappten die Wellen gegen den Rumpf. Es war kalt, doch die Wintersonne ließ das Meer glitzern, dass es beinahe blendete.

»Wunderschön«, sagte Mutter. Die Rettungsweste wirkte völlig deplatziert an ihr. Meine Mutter trug Hosenanzüge, Rock und Blazer, keine ausgeborgten, zu großen Winterjacken und knallorangen Rettungswesten … Der Wind hatte ihre Frisur zerzaust und sie sah glücklicher aus, als ich sie je erlebt hatte.

Sie drückte meinen Arm. »Das sind die besten Weihnachten, die wir je hatten, findest du nicht?«

Ich nickte. Ja. Erstmals seit ich mich erinnern konnte, hatte ich Weihnachten mit meiner Mutter im Kreise einer Großfamilie gefeiert. Auf dem schönsten Flecken Erde, den man sich vorstellen konnte. Und diese Bootsfahrt mit Sam war eine wesentlich bessere Art, den sechsundzwanzigsten Dezember zu verbringen, als mit einem Besuch bei irgendwelchen entfernten Verwandten, zu denen selbst Mutter außer zu Weihnachten keinen Kontakt hatte.

Sam trat vom Steuer zu uns ans Heck. Das Boot schaukelte unter seinem massigen Körper. Selbst nun im Winter trug er seine übliche Baseball-Kappe. Er deutete nach links.

»Wie versprochen, so geliefert.« Er grinste, als Mutter erst die Augen zusammenkniff und sich gleich darauf staunende Begeisterung auf ihr Gesicht legte.

Orcas, Killerwale. Riesige, schwarz-weiße Muskelpakete. Ich hatte sie oft vom Ufer aus betrachtet, aber noch nie so nahe.

Mutter warf einen ängstlichen Blick auf Sam.

»Keine Sorge, wir stören sie nicht. Deshalb hab ich den Motor ausgeschaltet. Sie sind das gewohnt, dass wir Menschen hier in ihrem Meer herumdümpeln.«

Gerade als Mutter ihren Fotoapparat aus der Jackentasche zog, sprang einer der Riesen in die Höhe und klatschte mit einem lauten Platsch wieder aufs Wasser. Ein zweiter folgte, zeigte uns seinen weißen Bauch.

Mutter lachte. »Die scheinen sich ja prächtig zu amüsieren!«

Ich merkte, wie meine Hand zu kribbeln begann. Oh ja, der Drang war groß, diese Tiere zu berühren und ihre Erinnerungen zu fühlen. Was mussten das für prächtige Erinnerungen sein, von der Weite des Meeres, von Wellen und Fischschwärmen. Tja, da konnte meine Linke kribbeln, was sie wollte, den Gefallen konnte ich ihr – und mir – nicht machen.

»Das ist wirklich der krönende Abschluss dieser Reise.« Mutter lächelte, dann legte sie mir die Hand auf den Arm, als hätte sie soeben etwas Unhöfliches gesagt. »Eure Hochzeit war natürlich der Höhepunkt. Eine sehr schöne Hochzeit war das, wirklich, ich hätte nie gedacht, dass ich das je erleben würde, dass du heiratest. Aber du musst zugeben, Hochzeiten hat jeder von uns schon viele erlebt, und nicht alle gehen gut aus, aber so etwas …« Sie sah erneut zu den spielenden Walen.

Was sollte dieser unauffällige Unterton? Nicht alle gehen gut aus? Ok, Mia und ich hatten gröbere Probleme gehabt, die Hochzeit war kurz davor noch auf Messers Schneide gestanden, aber das hieß doch nicht … und auch die Tatsache, dass ich Mias Ex am Tag der Hochzeit gesehen hatte, den einzigen Menschen, der meine Lüge auffliegen lassen konnte … nein, daran wollte ich jetzt nicht denken. Mutter hatte wohl von ihrer eigenen Ehe gesprochen, nicht von meiner.