VIRUS - Kuss des Lebens

Streiflichter eine Krise

Dieses Buch begann als ein verrücktes Experiment.

Mein Mann Gerhard liebt Weltuntergangsbücher und hatte schon vor einiger Zeit die Idee, dass wir doch einmal gemeinsam ein Buch schreiben könnten. Ein Weltuntergangsbuch, natürlich. Ich war zuerst nicht ganz so begeistert von der Idee – ich mag dieses Genre nicht so besonders (was vielleicht eigenartig klingt, wenn man meine Bücher über die Pest und den Ersten Weltkrieg kennt). Doch das, was Gerhard vorschwebte, war mir dann doch zu nahe an einer möglichen Realtität. Denn es war Februar 2020 und wir verfolgten, was in China geschah ...

 

Aber dann hat mich der Ehrgeiz gepackt: Kann man ein positives Weltuntergangsbuch schreiben? Und wie rasch kann man so ein Projekt schaffen?

 

Die Antwort findet ihr im Buch. Beurteilt selbst, wie nahe wir mit unserer Fiktion der Realität gekommen sind ...

 

Cover "Virus" Roman

 

Streiflichter einer besonderen Zeit

 

Eine globale Krise.

Ein neuer Alltag?

Ein Wiener Lebenskünstler, eine steirische Apfelbäuerin, ein Londoner Schauspieler, ein Fabriksarbeiter aus New York, eine Sanitäterin aus Los Angeles und ein japanischer Kampfkünstler.

Wer findet Wege, die Krise in eine Chance zu verwandeln?

 

Ein Roman, geschrieben, ehe Covid19 Europa traf.

Fiktiv, aktuell und hoffnungsvoll.

 

 

Leserstimmen

" ... ein großartiges Buch, ist doch schwer hitverdächtig!" (Max Mueller, "Rosenheimcops")

"Das Buch ist ausgesprochen gut geschrieben , jede einzelne Geschichte ist ergreifend und klingt wahr und man wird nur so hineingezogen in jedes Schicksal." (Maria M., Los Angeles)

Leseprobe

 

London

 

Zum hundertsten Mal zupft er seine Haare zurecht. Wie er das hasst. In seinem Alter sollte er wirklich nicht mehr … normale Leute gehen bereits in Pension, also, es ist wirklich ganz grauenvoll, dass er es immer noch notwendig hat. Er seufzt, wirft einen Blick in den halbblinden Spiegel in der engen Toilette. Nicht einmal ein passables Licht haben sie hier, wenn er das gewusst hätte, hätte er noch daheim etwas Make-up aufgelegt. Bestimmt drehen sie auch nur die Probenbeleuchtung auf, was kann man schon erwarten.

 Sein Spiegelbild versucht ein gewinnendes Lächeln.

 In seinem Bauch fährt das London Eye in Rekordtempo im Kreis, seine Hände sind schweißnass. Es ist das erste Vorsprechen seit Langem, bei dem er wirklich nervös ist. Zu lange hat er nun in kleinen off-off Shows dahingetingelt, dieser Anruf seines Agenten, ach, allein wenn er dessen Stimme hört, dann wird ihm schon ganz kribbelig. Und dann auch noch das Duchess Theatre, knapp fünfhundert Sitzplätze, wie soll man da um Himmels Willen nicht aufgeregt sein? Seit Tagen hat er kaum geschlafen. Stunden hat er damit verbracht, aus seinem alten Vorsprechrepertoire Passendes herauszusuchen. Eine Komödie. Sie sagen, er kann sehr lustig sein.

Er seufzt. Ja, lustig. Jahrelang den Clown auf Kindergeburtstagen geben, ach, so knapp war er davor gewesen, vor dem großen Ruhm … damals, Zweitbesetzung an der Royal Shakespeare Company, blutjung, hochmotiviert … und dann, dann wird diese unmögliche Erstbesetzung – bei Gott, was wäre er besser gewesen, als dieser Lackaffe, Talent hatte der doch keinen Fingerhut voll, aber man weiß ja, Beziehungen, Beziehungen … Er hat ja immer schon gewusst, auch die RSC ist nicht das Gelbe vom Ei. Aber seine Chance wäre das gewesen, damals. Und dann wird der Lackaffe einfach nicht krank, monatelang.

Er fährt sich erneut durch die Haare. Diese Locke, die sitzt wirklich nicht gut, das macht ihn älter. Er hätte nicht zum Friseur gehen sollen, so kurz vor einem Vorsprechen, er weiß doch, wie lange er braucht, um sich an eine neue Frisur zu gewöhnen. Auf alle Fälle, der Lackaffe … heute noch wird ihm heiß, wenn er daran denkt, dabei ist das doch alles Schnee von gestern, von vorgestern. Aber so ist es halt, wenn man jung und hochmotiviert ist, dass man dann ein wenig nachhilft, nicht wahr? Harmlos, das Ganze, ein paar Tropfen Abführmittel … bis heute versteht er nicht, wieso die Tropfen dann auch in seinem Glas waren, das konnte doch kein Zufall sein. Immerhin, er hat es damit in die Zeitung geschafft. Erst- und Zweitbesetzung beide ans Klo gefesselt, Vorstellung entfällt. Wie peinlich, warum denkt er jetzt daran, jetzt, wo er doch all seine Nerven braucht?

Er zupft an seinem Hemd herum. Vielleicht hätte er doch besser das fliederfarbene genommen, das sieht im kalten Probenlicht schmeichelhafter aus als dieses Türkis, darin wirkt er sicher blass.

Jemand klopft an die Türe. Ein letzter Blick in den Spiegel, er tritt auf den Gang hinaus, nickt bemüht huldvoll dem jungen Mann zu, der in der Toilette verschwindet. Er weiß nicht, ob er sich geschmeichelt fühlen soll, dass er und so ein Junger für die selbe Rolle vorsprechen. Oder besetzen die heute mehrere Rollen? Ach, wenn dieser Agent doch etwas genauere Angaben machen würde …