Der Bogen des Smertrios - Vom Kelten, der loszog, die Sonne vom Himmel zu holen

Ab März 2019 erhältlich bei BoD, amazon, thalia.at und über meine Homepage.

 

ISBN 9783749410255

 

 

Norikum, 49 v. Chr.
Alle neun Jahre gilt es, die Sonne mit einem gezielten Bogenschuss vom Himmel zu holen. Doch der heilige Bogen wurde zerstört.
Bogenbauer Smertrios und seine Schwester Sanna müssen sich bis nach Gallien aufmachen, um die Gunst der Götter für das Dorf zu sichern.


Leseprobe

Der Duft von aufgewühltem, modrigen Laub. Im feuchten Waldboden, dunkel im ersten Sonnenlicht des Tages, ein Abdruck, groß wie ein Männerfuß, mit langen Krallen. Smertrios blieb stehen. Es war noch sehr früh im Jahr, um einem Bären zu begegnen. Vorsichtig bewegte Smertrios sich weiter, die Finger fest um seinen Bogen. Die Spur war nun deutlich zu sehen, oftmals gekreuzt von einer ähnlichen, nur viel kleineren. Eine Bärin mit ihrem Jungen, frisch aus dem Winterschlaf erwacht. Er ginge wohl besser zurück, machte einen Umweg, doch ein Gefühl von Sehnsucht trieb ihn weiter. Er hatte schon lange keinen Bären mehr im Wald gesehen. Und der Wind stand günstig.

 Auf einer kleinen Lichtung sah er sie. Struppig und abgemagert lag sie da, vor sich einen Dachs, den ihre starken Kiefer genüsslich in Stücke rissen. Das Bärenjunge kletterte auf ihrem Rücken herum, sie ließ es geduldig geschehen. Smertrios fühlte Ehrfurcht. Selbst vom langen Winter gezeichnet, strahlte die Bärin Würde aus. Er lehnte sich mit der Wange an die dicke Eiche, die ihn vor den Blicken der beiden Tiere schützte. Ganz still stand er, nur seine Finger spielten mit einem Pfeil, unsicher, ob er ihn abschießen sollte. Er müsste sie beide töten, das Junge alleine konnte nicht überleben. Aber warum sollte er? Er hatte genug Fleisch, und ein Bär hatte keine Sehnen, die er für seine Bögen benützen könnte. Er würde sein Leben nicht für eine Trophäe riskieren. Und wer weiß, vielleicht hatten ihm ja die Götter die Bärin geschickt. Vielleicht war sie ein Zeichen. Oder eine Gottheit selbst, die sich ihm zeigte. Er würde den Druiden fragen, wenn er ihn im Dorf traf.

 Ein Weilchen blieb er noch stehen, riskierte, dass der Wind sich drehte und die Bärin seine Witterung aufnahm. Seit er ein Kind gewesen war, hatte er sich immer mit dem Wald und seinen Bewohnern eins gefühlt. Wieder wurde ihm bewusst, welche Ruhe ihm ein Anblick wie jener der Bärin gab. Und wie viel mehr ihm das bedeutete, als mit anderen gemeinsam Bier zu trinken und von großen Taten zu prahlen. Ja, er hatte damals die rechte Entscheidung getroffen.

 Vorsichtig und langsam zog er sich zurück, ein Lächeln auf den Lippen. Es würde ein guter Tag werden, wenn er so begann.

 

Noch ehe er auf den breiten Pfad einbog, der zum Dorf führte, hörte er bereits den Lärm. Schreie. Schreie, die nicht den kommenden Frühling bejubelten, sondern Schreie der Todesangst. Und Schreie, die eben diese Angst hervorrufen sollten, Kriegsschreie, das Schlagen von Eisen auf Holz, das schrille Trillern berittener Krieger.

 Smertrios begann zu laufen, die zusammengeschnürten Bögen für die Männer im Dorf schlugen gegen seine Beine. Noch im Lauf legte er einen Pfeil in seinen eigenen Bogen ein, bereit zu schießen, sobald es nötig war.

 Der ätzende Geruch von Feuer drang in seine Nase, nicht jene rauchige Morgenluft, die das Erwachen des Dorfes verkündete, sondern mindestens eine brennende Hütte.

 Als er vom Wald auf den Weg trat, offenbarte sich ihm ein stets gefürchteter Anblick. Dunkle Rauchwolken erhoben sich über den Dächern im Osten des Dorfes, das große Tor stand offen, fremde Reiter preschten zwischen den Häusern umher, dazwischen die Menschen seines Stammes, aus dem Schlaf gerissen, in Panik.

Geschichtliche Details

Eigentlich wollte ich nach der Kulm-Trilogie keinen historischen Roman mehr schreiben, doch die Kelten haben mich erneut in ihren Bann gezogen.

Dass es in diesem Buch um einen Bogen geht, ist kein Zufall, ist mein Mann doch hauptberuflich Bogenbauer. Inspiration im eigenen Haus ... Wen es reizt, wie Smertrios seinen eigenen Holzbogen zu bauen, der sei auf die Seite meines Mannes verwiesen: meinbogen.at