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Kelten vs Germanen

 

War die Unterscheidung zwischen Kelten und Wikingern noch ziemlich einfach (siehe HIER), obwohl die beiden immer wieder in einen Topf geworfen werden, so ist es bei Kelten und Germanen schon schwieriger. Beide werden sie in römischen Schriften erwähnt, liegen also nicht 1000 Jahre getrennt wie Kelten und Wikinger. Und es hat den Anschein, als wäre es vor allem der Rhein, der sie unterscheidet. Rechts vom Rhein und nördlich der Donau die Germanen, der Rest Kelten, auch wenn die im Westen Gallier genannt werden …

 

Wenn es nur so einfach wäre …

 

Denn so manches rechts vom Rhein könnte doch auch von keltischen Stämmen bewohnt worden sein und so manches links vom Rhein von Germanen. So bezeichnet Caesar zum Beispiel die linksrheinischen Stämme der Belger als Germanii cisrhenani, obwohl sie von unserem Gefühl her ganz eindeutig in Gallien liegen, und später nannte er nur jene rechts des Rheins Germanen – vielleicht damit Asterix seine berühmte Einleitung haben kann mit »Ganz Gallien ist besetzt«. Das würde als »Ganz Gallien mit einigen eingefügten germanischen Gebieten und vielleicht auch fehlenden gallischen Stämmen rechts des Rheins« einfach nicht so gut klingen ...

 

Die Sprache soll sie unterscheiden, doch leider haben wir auch von den Germanen keine schriftlichen Hinterlassenschaften aus der Zeit vor unserer Zeitrechnung und es gab in beiden Sprachen aufgrund der Handelsbeziehungen offenbar auch viele Lehnwörter aus der jeweils anderen Sprache (so wie wir heute ganz automatisch von Computer und Lifestyle reden …).

 

Selbst der Begriff Germane ist (wahrscheinlich) nicht germanisch. Ging man lange Zeit davon aus, dass er vom germanischen Wort »gaizaz« (= Ger, Speer) komme, so gilt dies als widerlegt und man nimmt nun eher an, dass dies die Bezeichnung der Kelten für ihre Nachbarn war, denn das altirische Wort »gair« bedeutet Nachbar. Vielleicht ist aber auch das altirische Wort »gairm« die Wurzel, die ließe dann auf eher störende Nachbarn schließen, denn gairm bedeutet Schrei / die Schreienden.

 

Zumindest gibt es einige Stammesnamen, die als eindeutig germanisch gelten. Die Teutonen. Die Kimbern. Die Ambronen.

 

Ein bisschen ist das Zuordnungsdilemma ja das gleiche wie bei den Kelten/Galliern. So Fremdbezeichnungen sind immer vage und unscharf. Es ist wie heute der Begriff »Europäer«. Was gehört da alles dazu? Meint man damit nur die EU-Mitglieder? Oder Westeuropa? Wo liegt genau die Grenze im Osten?

 

Vieles verbindet aber Kelten und Germanen. Sie galten beide als groß, stark, hellhaarig. Als gefürchtete Krieger (wo sind die Flowerpower Hippies jener Zeit? Hat Caesar nur nie über die geschrieben oder waren die tatsächlich erst in Zeiten möglich, wo wir uns so weit von der Natur entfernt hatten, dass es ein friedliches Leben mit der Natur als erstrebenswertes Ziel gab?).

 

Ganz klar ist auf alle Fälle, dass der nationalistische Germanenbegriff keiner Prüfung standhält. Die Germanen waren sehr lange ein ebenso stammesorientierter, kleinstrukturierter Haufen wie die Kelten, die ebenso wie sie nur von außen, von den Griechen und Römern, die in ihren eigenen großen Staatsstrukturen dachten, in einen Topf geworfen wurden. Gewiss hätte es keinem Sueben gefallen, mit einem Teutonen gleichgesetzt zu werden und umgekehrt. Aber dem Ruf der Germanen hat dieses Deutschtum, das im Nationalsozialismus horrende Ausmaße annahm, bis heute geschadet.

 

 

Außerdem, und das ist meine persönliche, Keltenverliebte Meinung, waren sie gewiss nicht so künstlerisch herausragend und innovativ wie die Kelten. (man darf mir gerne widersprechen) :-)

 

 

 

Randbemerkung: Ich bin Autorin, keine Historikerin, Archäologin oder Zeitreisende (das wäre spannend ...), ich gebe in meinem Blog einerseits nur meine Meinung weiter und andererseits Wissensbissen, die ich im Zuge meiner Recherchen für meine Keltenromane aus den verschiedensten Quellen zusammengetragen habe. Da ich jemand bin, der sich zwar Informationen und Geschichten merkt, aber nicht wissenschaftlich arbeitet, verzeiht bitte, dass ich (meist) keine Quellenangaben mache, schon gar nicht zu Wissensbissen, die man in vielen Quellen findet.

 

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