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Keltische Gewohnheiten

 

Keltische Gewohnheiten, die man mal zumindest als Gedankenspiel probieren könnte …

(Mal was anderes als Neujahrsvorsätze)

 

 

Alles beseelt

Für die Kelten war alles göttlich und jedes Ding beseelt. Jeder Fluss hatte seine Gottheit, jeder Wald seinen Gott. Das hielt die Kelten zwar nicht davon ab, Fleisch zu essen oder Bäume zu fällen, dennoch taten sie es gewiss mit einer anderen Einstellung und Demut als wir heutzutage.

 

Sippenhaftung

Sippenhaftung hat heute einen negativen Beigeschmack, doch für die Kelten war es ganz selbstverständlich, dass die Sippe für die Taten des Einzelnen einstand und jeder von jedem abhängig war. Wie würdest du agieren, wenn du wüsstest, dass für deine Taten auch deine Eltern, Geschwister und Freunde zur Rechenschaft gezogen werden?

„Einer für alle, alle für einen“ fanden wir bei den Drei Musketieren toll. Heute denken wir gerne: „Soll sich der Staat drum kümmern“ – aber wer ist denn der Staat, wenn nicht wir alle? Die Arbeitslose, die jemand bezieht, zahlt nicht der Staat, sondern du, dein Nachbar, Herr Müller in Hintertupfing …

Wir leben in der Illusion der Unabhängigkeit. Für die Kelten war ganz klar, dass jeder Teil des Stammes ist und ohne seinen Stamm verloren. Jeder Mann wusste, dass die Hosen, die er trug, von seiner Frau/seiner Schwester/seiner Tochter in wochenlanger Arbeit hergestellt wurden. Wie würdest du mit deinem Gewand umgehen, wenn deine Schwester es hergestellt hätte und nicht eine dir unbekannte Näherin in Bangladesh? Wie würdest du deiner Schwester für ihre Mühe danken?

 

Draußen

Das Leben der Kelten spielte sich viel im Freien ab, Sommer wie Winter. Tiere mussten versorgt werden, Wasser geholt, Felder bestellt. Drinnen war es duster, draußen gab es Licht. Wie viel Zeit verbringst du jeden Tag im Freien? Gibt es Tätigkeiten in deinem Alltag, die du draußen machen könntest statt drinnen?

 

Wiedergeburt

Die Kelten waren überzeugt, dass sie bei ihrem Tod hier in der Anderswelt wiedergeboren werden und bei ihrem Tod dort wieder hier zurWelt kommen. Nun ist der Glaube an Wiedergeburt nichts, das man so einfach ein- oder ausschalten kann, aber rein als Gedankenexperiment (so du nicht an Wiedergeburt glaubst): Wenn du wüsstest, dass du in fünfzig oder achtzig oder hundert Jahren wieder hier auf die Welt kommst, was für eine Welt würdest du dann gerne vorfinden für dein nächstes Leben? Kannst du jetzt etwas dafür tun?

 

Regionalität

Ja, die (reichen) Kelten liebten Wein aus dem Süden und schmückten sich mit Ketten aus fernen Landen – dennoch lebten die meisten von ihnen sehr regional. Gegessen wurde, was in der Umgebung wuchs. Gerste, Hirse, Kräuter, Kraut und Kohl, dicke Bohnen, Äpfel, Nüsse, Käse, Fleisch … Wir sind heute daran gewöhnt, das ganze Jahr über Tomaten, Paprika, Bananen zu bekommen. Wie ginge es dir, wenn du dich eine Weile nur mit regionalen Produkten ernährst? Wenn du gar eine Weile alles weglässt, das erst mit der „Entdeckung“ der Neuen Welt zu uns kam? Würde dir etwas fehlen oder würdest du neue Geschmacksrichtungen entdecken?

 

Opfergaben

Das Leben war stark von Religion und Glauben bestimmt. Um seine Ziele zu erreichen oder aus Dankbarkeit, wurde den Göttern geopfert. Und wenn ein Opfer nicht das gewünschte Ergebnis brachte, dann opferte man eben einem anderen Gott, Götter gab es ja zur Genüge und irgendeiner war ja hoffentlich für die eigenen Wünsche zuständig … Du musst nun nicht Omas Erbschmuck in den nächsten Fluss werfen, aber rein als Gedankenspiel: Was bin ich bereit, für meine Ziele zu opfern? Und wie kann ich meine Dankbarkeit für erreichte Ziele, Gesundheit, Kindersegen etc ausdrücken?

 

Feuer

Feuer war Notwendigkeit und Gefahr in einem. So manches Haus fiel ihm zum Opfer, und doch gab es keine andere Möglichkeit, Essen zu kochen. Man ließ das Feuer in der Herdstelle möglichst nicht ausgehen, hütete es, bewachte es. Abends saß man im Licht des Feuerscheins und erzählte sich Geschichten. Feuer hat Charakter, ist wie ein eigenes Wesen. Über Feuer gekochtes Essen schmeckt anders als eines aus der Mikrowelle. Hast du schon einmal über offenem Feuer gekocht? Kannst du Feuer machen? Kannst du Feuer ohne Hilfsmittel wie Feuerzeug oder Zündhölzer machen? Wann hast du das letzte Mal einen Abend am Lagerfeuer verbracht und in die Flammen geschaut? Oder zumindest deinen Geist im Anblick einer Kerzenflamme zur Ruhe kommen lassen?

 

Tiere

Tiere gehörten zum Alltag der Kelten. Pferde zum Reiten, Schweine, Rinder und Schafe zum Essen, für Leder und Leim. (Unser Wort Kapitalismus kommt übrigens vom Wort Caput, dem Rinderhaupt. Wer viele Rinder hatte, war reich.) Aber auch der Wolf, Fuchs, Bär gehörten zum Leben. Die zahmen Tiere hütete man, die wilden hielt man durch Dornenhecken und Palisaden von der Siedlung fern. Viele keltische Wörter, die uns überliefert sind, beziehen sich auf Tierarten. Wie viele Wildtiere kannst du benennen? Von welchen würdest du Spuren erkennen? Weißt du, wie man ein Schaf schert? Wie rau die Zunge einer Kuh ist?

 

Kopfkult

Nun, das ist eine Gewohnheit, die wir wohl nicht ausprobieren wollen – unseren Feinden die Köpfe abzuhacken und sie als Trophäe aufzubewahren. Aber im übertragenen Sinn lässt es sich umsetzen:

Warum nicht auf überkommene Widrigkeiten stolz sein und sich eine Erinnerung daran aufs Regal stellen? Auch wenn du nicht den feindlichen Krieger getötet hast, der deine Siedlung überfallen hat, so kannst du zurecht stolz sein, wenn du endlich deinen inneren Schweinehund besiegt hast und zum Beispiel abgenommen hast / deine Wohnung aufgeräumt hast / eine Prüfung bestanden hast. Sei stolz und erinnere dich an deine Leistung, sei es mit einem Foto an der Wand oder einem Gegenstand, den du damit verbindest. Feier deine Erfolge, egal, wie klein sie sind.

 

Schönheit

Duster waren die Häuser der Kelten, primitiv und grob, wenn wir die meisten Keltenmuseen anschauen. Wir haben keine Ahnung, wie sie wohnten, denn bestenfalls finden sich ein paar Pfostenlöcher im Boden. Doch wenn wir ihren Grabschmuck ansehen, die kunstvollen Ketten und Armreife, die reich verzierten Bronzespiegel, Schnabelkannen, Schwerter, Tontöpfe, Stoffreste – es scheint keinen Gegenstand gegeben zu haben, den sie nicht liebe- und kunstvoll verziert haben. Sie liebten Schönheit und sie liebten es, sich mit Schönheit zu umgeben. Es macht einen Unterschied, ob deine Kaffeetasse dir jeden Morgen Augenkrebs verursacht oder ob dich ihr Anblick erfreut. Umgib dich mit schönen Dingen. Das muss nichts Aufwändiges oder Teures sein. Getrocknete Blumen vom letzten Spaziergang. Der Ausdruck eines hübschen Bildes auf der Arbeitsmappe, die du zig mal am Tag in die Hand nimmst. Ringelsocken, eine bunte Haarspange …

Die Welt ist schön, hol dir die Schönheit in deine Welt!

 

 

Vielleicht magst du 2023 ja ein paar keltische Gewohnheiten ausprobieren.

Fühle den Pulsschlag der Kelten in dir und sieh, was es mit dir macht.

 

 

Tauch ein in die Welt der Kelten und fühle ihren Pulsschlag in dir!

Die Wortflechterin der Kelten, historische Romanserie
Die Wortflechterin der Kelten, historische Romanserie

Randbemerkung: Ich bin Autorin, keine Historikerin, Archäologin oder Zeitreisende (das wäre spannend ...), ich gebe in meinem Blog einerseits nur meine Meinung weiter und andererseits Wissensbissen, die ich im Zuge meiner Recherchen für meine Keltenromane aus den verschiedensten Quellen zusammengetragen habe. Da ich jemand bin, der sich zwar Informationen und Geschichten merkt, aber nicht wissenschaftlich arbeitet, verzeiht bitte, dass ich (meist) keine Quellenangaben mache, schon gar nicht zu Wissensbissen, die man in vielen Quellen findet.

 

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