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Überlebenstipps einer keltischen Wanderin, Teil 4

 

Dank unserer ausgklügelten Technik ist es uns möglich, den Gesprächen zwischen der Bardin Arduinna und ihrem jungen Schüler Samis im Jahre 38 v.Chr. zu lauschen …

 

Feuermachen

 

Seit drei-mal-drei Jahre bin ich schon gezwungen, durch die Welt zu wandern und viel meiner Zeit verbringe ich außerhalb von Siedlungen und Orten. Lass mich dich lehren, Samis, was ich gelernt habe, auf dass du deine Wege leichter bewältigst als ich zu Beginn.

 

An Tagen wie diesen, wo die Nächte mild und warm sind, da mag es ja angenehm sein, sich einfach nur ins Laub fallen zu lassen oder auf ein Bett aus Moos, und unter den Sternen zu schlafen, doch sobald es kühler wird oder das Wetter umschlägt, wirst du Schutz für die Nacht benötigen.

 

Manchmal, vor allem, wenn du dich in den Bergen befindest, magst du eine Höhle finden. Ich selbst bin kein besonders großer Freund von Höhlen, man weiß oft nicht, wie weit sie sich erstrecken und wer darin haust. Es macht keinen Spaß, nachts von einem Bären geweckt zu werden … Aber so manche Nacht haben auch mir sie guten Schutz geboten.

 

Schwer ist es auch, inmitten von Feldern und Wiesen die nötigen Dinge für einen Unterstand zu finden, doch wenn du in einem Gebiet voller Felder bist, so befindet sich zumeist ein Hof oder sonstiges Haus in der Nähe, bei dem du um ein Nachtlager bitten kannst. Gastfreundschaft ist eine heilige Sitte, und nur selten wird sie missbraucht. Manchmal jedoch habe ich es vorgezogen, alleine in einem Feld zu schlafen, als in einem Haus – achte immer auf dein Gefühl, ob du den Menschen trauen kannst, bei denen du um ein Lager bittest. Vielleicht lässt dich schon der Zustand des Hauses von Weitem misstrauisch werden – vertraue immer diesen Gefühlen!

 

Am einfachsten ist es im Wald, sich ein bequemes Lager zu erschaffen. Je länger du vorhast, an einem Ort zu bleiben, zum Beispiel weil du gerade ein Reh erlegt hast und es aufarbeiten musst, umso mehr Aufwand lohnt es sich für ein Lager zu betreiben.

 

Wichtig ist, wo du dein Lager errichtest. Natürlich ist es angenehm, wenn sich in der Nähe ein Bach befindet, sodass du jederzeit Wasser holen kannst. Bedenke aber, dass bei starkem Regen so ein Bach auf ein Vielfaches anschwellen kann, vor allem im Gebirge kann dies auch geschehen, wenn der Regen von dir unbemerkt weit entfernt fällt. Auch willst du dein Lager nicht dort errichten, wo dir Spuren anzeigen, dass Wildtiere hier ihre Wege haben.

 

Die einfachste Form ist immer noch ein Haufen Laub unter den dichten, tief hängenden Ästen eines Nadelbaumes. Achte aber immer darauf, dass kein totes Gehölz sich im Baum über dir befindet.

 

Meistens – und das hast du nun schon oft genug mit mir erlebt – errichte ich ein Lager, indem ich einen langen Ast zwischen zwei Bäumen befestige. Mit Glück in zwei Astgabeln, ansonsten mittels Schnüren. Es ist immer gut, etwas Hanfseil bei sich zu haben, denn nicht immer findet man langes Gras oder anderes Pflanzenwerk, um Schnüre zu drehen. Vor allem im Winter ist das ein Problem.

 

Du kannst den langen Ast auch nur auf einer Seite in einer Astgabel eines Baumes befestigen und so ein schräges Lager bauen. Egal wie, an diesen Ast legst du nun andere Äste, die deine Seitenwand bilden. Eine Seite reicht oft, vor allem, wenn du vor deinem Lager die ganze Nacht ein Feuer brennen hast. Wenn du nur eine Seitenwand baust, dann achte darauf, dass sie gegen den Wind gerichtet ist. Auf diese Schrägwand schichtest du nun von unten beginnend idealerweise Äste von Nadelbäumen, die schön dicht sind. Zwischen den Schichten kannst du auch Laub auflegen, das du mit einer weiteren Schicht Äste beschwerst. Je dichter diese Schichten, umso besser bist du vor Wind und Regen geschützt. So ein Lager muss nicht besonders hoch sein, wenn du nur eine Nacht darin verbringen willst, so reicht es, wenn du liegend hineinpasst. Vor allem im Winter ist ein kleines Lager von Vorteil, da es sich schneller erwärmt. Und ein sehr großer Vorteil für die Errichtung jedes Lagers ist die Axt, die wir nun wieder besitzen. Sie erleichtert das Beschaffen und Zurichten von Ästen ungemein, wobei ich darauf achte, möglichst totes Holz zu verwenden und nicht lebendes. Die Waldwesen sehen es nicht so gerne, wenn man ihre Bäume misshandelt.

 

Um bequemer zu liegen, schichte Laub auf oder Gras, je nachdem, wo du dich befindest. Mit meiner Rehhaut darauf ergibt das ein wirklich bequemes Bett.

 

Bedenke, rechtzeitig mit dem Lagerbau zu beginnen, damit du noch bei Tageslicht fertig wirst. Sollte es stürmen, so ist es im Wald zwar zumeist weniger windig, aber du bist in Gefahr von herunterfallenden Ästen. Suche an solchen Tagen deinen Lagerplatz besonders sorgfältig aus.

Oft reicht es auch, sich neben einem umgestürzten Baum ein Lager zu machen, und diesen als Windschutz zu verwenden, oder den Wurzelbereich eines umgestürzten Baumes. Auch eine Erdmulde bietet guten Schutz bei Wind, aber sei vorsichtig, falls Regen droht, denn dann kannst du rasch ein unfreiwilliges Bad nehmen, da sich das Wasser in der Mulde sammelt.

 

Ein gutes Nachtlager ist wichtig. Nur wenn man sich nachts gut erholen kann, ist man tagsüber fähig, den Anforderungen des Wanderlebens zu entsprechen. Insofern bin ich auch sehr glücklich, mit Cú einen Beschützer zu haben, der mir einen sorgenfreien Schlaf ermöglicht.

 

 

 


Von den Göttern gesegnet, von ihrem Meister verflucht, war die Bardin Arduinna gezwungen, alles für ihre Liebe zu opfern.

Eine keltische historische Romanserie, die dich in Zeiten versetzt, als Wörter Waffen sein konnten und deine einzigen Freunde ein Wolfshund und ein Rabe.

Tauch ein in die Welt der Kelten und fühle den Pulsschlag jener Zeit in dir!

 

Die Wortflechterin der Kelten, historische Romanserie
Die Wortflechterin der Kelten, historische Romanserie

Randbemerkung: Ich bin Autorin, keine Historikerin, Archäologin oder Zeitreisende (das wäre spannend ...), ich gebe in meinem Blog einerseits nur meine Meinung weiter und andererseits Wissensbissen, die ich im Zuge meiner Recherchen für meine Keltenromane aus den verschiedensten Quellen zusammengetragen habe. Da ich jemand bin, der sich zwar Informationen und Geschichten merkt, aber nicht wissenschaftlich arbeitet, verzeiht bitte, dass ich (meist) keine Quellenangaben mache, schon gar nicht zu Wissensbissen, die man in vielen Quellen findet.

 

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