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Immer diese Namen!

Immer diese Namen - über die Schweirigkeit, als Autor Figurennamen zu finden

Manchmal, wenn auch selten, ist er einfach da, der Name für eine Buchfigur. So wie manchmal auch die ganze Geschichte plötzlich im Kopf vorhanden ist, als wäre sie vom Himmel gefallen. Meist aber ist es ein langer Prozess, bis alle Figuren in einem Roman, die einen Namen wirklich brauchen, auch einen haben. 

 

Namen für die Figuren eines Buches zu finden ist immer spannend und oft zeitaufwändig, sagen Namen doch oft auch schon viel über Nationalität und auch Alter aus. (Wer kennt zum Beispiel einen Gerhard, der jünger als 40 ist? Oder einen österreichischen Kevin, der älter als 30 ist?) Dazu kommen dann für den Autor auch noch eigene Erinnerungen und (Vor-)Urteile, die er mit gewissen Namen verbindet – kaum wird man der Protagonistin den Namen der alten Schulfeindin geben, dessen Erwähnung einem schon Bauchweh erregt. Leider natürlich haben auch die LeserInnen solche Erinnerungen, (Vor-)Urteile und Assoziationen, die man als Autor jedoch nicht voraussehen kann, nur hoffentlich im Kopf der LeserInnen überwinden.

 

Und dann erzeugen manche Namen auch einfach ganz von selbst ein Bild im Kopf. Benedikt wird zumeist positivere Assoziationen hervorrufen, selbst wenn man die Bedeutung des Namens nicht kennt, als Isidor, einfach, weil der Name weicher klingt. Barbara und Birgit. Annabell und Isolde. Probier es aus, welche Bilder entstehen?

 

Für Autorinnen wie mich, die in prähistorischen Zeiten schreiben, fallen bis auf die letzte diese Problematiken zumindest weg. Dafür steht man eher vor der Frage: 

Welche Namen hatten die Leute denn damals?

 

Gerade bei den Kelten, die ja nichts Schriftliches hinterlassen haben, kennen wir nur aus den Berichten von Caesar einige Herrschernamen, wegen der sich auch über den Umweg von „Asterix und Obelix“ die Klischeevorstellung eingebürgert hat, dass alle keltische Namen auf -ix enden (Rix/Reix bedeutet im keltischen „König/Herrscher“). Und ein paar eingeritzte Namen in Töpferwaren und Steinsäulen, aber wahrlich nicht genug, um damit das Personal ganzer Romane zu füllen. Abgesehen davon, dass einem dann noch manche dieser Namen nicht passend zur Figur klingen oder zu viele davon mit dem gleichen Anfangsbuchstaben beginnen, was man als Autor der Lesefreundlichkeit wegen gerne vermeidet. Hier haben es ja die Kolleginnen wie Birgit Constant oder Octavia Randolph schwer, deren Romane im England des 9.-11. Jahrhunderts spielen, wo die Herrscher alle Æthelwulf, Æthelberht, Æthelbald und Æthelred heißen – für Schnell-Leser wie mich der absolute Horror, den Überblick zu bewahren, man tendiert ja dazu, wenn eine Figur einmal eingeführt ist, nur noch die ersten Buchstaben bewusst wahrzunehmen!

 

Anfangs habe ich noch manchmal Zuflucht zu „keltischen“ Namen aus Irland genommen, die aber für das letzte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung natürlich völlig anachronistisch sind, da zumeist aus dem 4. bis 6. Jahrhundert u. Z., wenn nicht gar später. So heißt zum Beispiel die weibliche Hauptfigur in „Der Krieger der Druiden“ (der in seiner alten Ausgabe „Culm 27 v. Chr.“ mein Debutroman war) Aislin und da eben diese Aislin auch im vierten Band der Wortflechterin-Serie vorkommt, ist dieser „falsche“ Name erhalten geblieben, obwohl ich von meiner Archäologinnen-Lektorin dafür schwer gerügt wurde ...

 

Während meine liebe Kollegin Jutta Leskovar für ihre Salzberg-Trilogie sich bei der Namensfindung ganz auf ihre Fantasie verlässt (https://www.jutta-leskovar.at/namen-in-der-urgeschichte/), ziehe ich meine Inspiration aus einem eine zeitlang im Internet vorhandenen „Altkeltischen Wörterbuch“ eines Herrn Tischler (das es inzwischen nicht mehr online gibt, ich mir aber vor Jahren einmal heruntergeladen hatte). Wie korrekt es gesamt ist, kann ich nicht sagen, aber viele der Wörter habe ich auch in anderen Fachbüchern entdeckt. Und es macht großen Spaß, auf diese Weise Namen zu entwickeln, die auch Bedeutung haben! 

 

So bedeutet der Kindheitsname meiner Hauptfigur in „Die Schattenseherin“, Iorco (ganz korrekt iorcos) „wilde Ziege“. Mein fiktiver Sitz des Hochkönigs Voccio in Bragnreica geht auf Deutschlandsberg zurück, wo ich diesen Ort angesiedelt habe. Ein alter Name von Deutschlandsberg ist Wiesenbach, und im „keltischen“ bedeutet bragn- Brache und reica Bach. Hys (ebenfalls in der Schattenseherin) ist die Scharlachbeere, Samera eines der Wörter für Ulme, Louerna habe ich von louernos – Fuchs verweiblicht.

 

Insofern ist für mich aus dem Nachteil der mangelnden Echtnamen ein Vergnügen geworden, Namen mit Bedeutung zu finden. Manchmal, wie bei Brisa (schnell), Murta (dunkel) oder eben Iorco führe ich die Erwähnung im Buch sogar an, manchmal ist es nur ein kleines Geheimnis ganz für mich …

 

Oft aber, muss ich zugeben, stehen gerade Nebenfiguren bis zum Zeitpunkt der Überarbeitung nach dem Lektorat mit XXX, KKK oder MMM im Manuskript, oder wird ein Name noch im letzten Moment ausgetauscht, weil er mir doch nicht stimmig scheint oder -- wie mir gerade eben geschehen - mir für eine Nebenfigur eigentlich zu schade ist, ihn zu verprassen, und ich ihn mir für eine beeutendere Figur eines nächsten Romanes aufhebe ...

 

Aber im Prinzip ist die Namensgebung einer Figur oft ebenso aufwändig und schwierig, wie einen Namen für ein ungeborenes Kind zu finden, mit dem einzigen Vorteil, dass wir als „Mütter“ unserer Charaktere ganz alleine darüber entscheiden dürfen.

 


CELTOIA

Eine Bücherwelt angesiedelt im Noricum der späten Eisenzeit, inzwischen mehr als 13 Romane voller Spannung, Abenteuer und Liebe.

Tauch ein in die Welt der Kelten und fühle den Pulsschlag jener Zeit in dir!

 

Bücher der Buchwelt Celtoia
Celtoia -- meine Buchwelt zur späten Eisenzeit (und ein paar verbundene Ableger)

Randbemerkung: Ich bin Autorin, keine Historikerin, Archäologin oder Zeitreisende (das wäre spannend ...), ich gebe in meinem Blog einerseits nur meine Meinung weiter und andererseits Wissensbissen, die ich im Zuge meiner Recherchen für meine Keltenromane aus den verschiedensten Quellen zusammengetragen habe. Da ich jemand bin, der sich zwar Informationen und Geschichten merkt, aber nicht wissenschaftlich arbeitet, verzeiht bitte, dass ich (meist) keine Quellenangaben mache, schon gar nicht zu Wissensbissen, die man in vielen Quellen findet.

 

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