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Burg und Schloss Herberstein

Zwei Ansichten von Schloss Herberstein

Als wir 2008 in die Steiermark gezogen sind, habe ich in der ersten Zeit im Gartenschloss Herberstein als Tourguide gearbeitet (später dann im Tierpark Herberstein). Der Ort hat mich zu meinem Roman „Chulm Anno Domini 1349“ inspiriert, der 2016 erschienen ist, also noch sehr am Anfang meiner Autorentätigkeit – mein zweiter Roman, um genau zu sein.

 

Nun, nach vielen Jahren, bin ich wieder als Schlossführerin zurückgekehrt und der Zauber des Schlosses hat mich erneut umfangen. Es ist ja ein ganz besonderer Ort, denn wo sonst findet man ein so gut erhaltenes Schloss, dessen – immer noch im Rahmen der Führungen besichtigbare – Anfänge im 13. Jahrhundert liegen und das nie geplündert wurde? Seit 1290 ist die Anlage in Familienbesitz (heute die 22. Generation) und ich, als Kind von Großeltern, die bei ihrer Flucht aus Bratislava 1945 alles verloren haben, kann mir kaum vorstellen, was es bedeutet, wenn man als heutiger Graf in Räumen schläft, wo bereits der eigene Urururururururururur...großvater geschlafen hat.

Schon die Lage von Herberstein ist außergewöhnlich: Obwohl die Anlage in einem Talkessel liegt, sodass man zum Schloss HINUNTER spazieren muss, ist es die dritthöchste Burganlage der Steiermark, da sie auf einem 40 m hohen Fels umrundet von der Feistritz ruht.

Auf den Bildern seht ihr ganz rechts das alte Steinhaus aus dem 13. Jahrhundert, woran dann bis 1667 immer weiter angebaut wurde.

 

 

Drei Dinge möchte ich euch erzählen, die meine persönlichen Highlights der Führungen sind:

 

  • Als erstes ist da einmal der Haifisch in der Durchfahrt. Ein echter, ausgestopfter Haifisch, der im 17. Jahrhundert von Johann Joseph von Herberstein aus dem Mittelmeer geholt wurde (witziges Detail am Rande: seit dem Vater von Johann Joseph, Johann Maximilian I., heißen alle Nachkommen mit erstem Vornamen Johann oder Johanna, bis heute). Inzwischen wurde er bemalt, da die präparierte Haut nicht mehr allzu attraktiv aussah, aber es ist immer noch der Hai von damals. Nun war so ein Vieh im 17. Jahrhundert in der Steiermark ja unbekannt und doch etwas imposanter als ein Wels oder Karpfen. Deshalb hat man ihn – der in den ersten Inventarlisten interessanterweise als Walfisch angeführt wurde, wie gesagt, so recht kannte man sich nicht aus damit – auch in die Einfahrt gehängt, in der fixen Überzeugung, dass er dort die Feinde davon abhalten würde, sich ins Schloss zu trauen … Und was soll ich sagen? Es hat funktioniert! Herberstein ist nie erobert, nie belagert worden. Heute, wo wir alle zig Dokus über das Meer gesehen haben, ist er nicht mehr ganz so furchterregend, selbst die Schwalben nisten jedes Jahr in seinem offenen Maul …
  • Als zweites möchte ich euch eine Herbersteinerin vorstellen. Zumeist wird in den Führungen ja nur von den Grafen geredet und von deren Taten, aber, hier kommt wohl mein feministischer Zug durch, mir ist es immer wichtig, von Barbara Schintl von Dromsdorf zu erzählen. Oben, im neuen Rittersaal, hängen einige Bilder der umfangreichen, im ganzen Schloss verteilten Gemäldesammlung, die unter anderem sie und ihren Gatten, Georg den Breiten (der Großvater von Johann Maximilian I.) darstellen. Und, wie damals so üblich, schauen die Porträtierten zumeist eher zwider drein (kein Wunder, wenn man tagelang Modell stehen musste … und außerdem musste man ja würdevoll und wichtig wirken). Nur die Barbara Schintl von Dromsdorf lächelt, milde und warmherzig. Und das finde ich noch beachtenswerter, denn sie hat in ihren 27 Ehejahren mit Georg dem Breiten (der gar nicht so breit war, nur groß) 22 -- in Worten: ZWEIUNDZWANZIG! -- Kinder zur Welt gebracht, von denen 16 das Erwachsenenalter erreichten. Und bitte, wir sind hier zu Beginn des 16. Jahrhunderts! Noch beachtlicher aber ist, dass sie, und nicht einer ihrer Söhne, nach dem Tod vom Georg die Geschäfte der Burg weitergeführt hat, die Verwaltung der (damals riesigen) Ländereien etc und sie erst mit 82 Jahren gestorben ist. Meine absolute Herberstein-Heldin! (Vielleicht schreib ich einmal einen Roman über sie.)
  • Aber auch unter den Männern gibt es einen, der mir als Autorin besonders am Herzen liegt, denn er zeigt, wie wichtig Bücher sein können … Und das war Siegmund von Herberstein (ebenfalls 16. Jahrhundert). Er war ein kränkliches Kind aus der schlesischen Seitenlinie, weshalb er leider nicht zum Ritter taugte und man ihn in die Schule und später auf die Universität schickte. Seine Bildung ließ ihn Diplomat werden und er hat 69 diplomatische Reisen unternommen, zwei davon führten ihn nach Moskau. Und genau über diese Reisen nach Moskau hat er ein Buch geschrieben, die Moskovia, das erste „Sachbuch“ über Russland quasi, wo er Landwirtschaft, Menschen, Kultur etc beschrieben hat. Bereits im 16. Jahrhundert wurde dieses Buch in mehrere Sprachen übersetzt und bis ins 20. Jahrhundert dienten Neuauflagen davon auf der Unsiversität in Russland als Studienmaterial. Und nun wird dieses Buch zum Held (vielleicht unterstützt vom Hai in der Einfahrt): 1945 war die Steiermark von den Russen besetzt, die überall auch plünderten und raubten (also, offiziell hieß das sicher anders …). So standen sie auch vor dem Schloss. Nur, der zuständige Truppenkommandant, der hatte in Moskau Geschichte studiert, der kannte die Moskovia, der kannte den Namen Herberstein als geachteten Autor – und so hat der Kommandant Wachen aufstellen lassen und verfügt, dass kein Soldat das Schloss betreten darf. Somit hat also ein Buch, das im 16. Jahrhundert geschrieben worden ist, ziemlich genau vierhundert Jahre später das Schloss mit all seinen umfassenden Sammlungen (Gemälde, Teppiche, Geschirr, Möbel…) gerettet. Wenn das nicht Motivation für uns Autoren ist!

 

Solltet ihr einmal in die Steiermark kommen, so schaut doch in (Tierpark und) Schloss Herberstein vorbei – ich kann euch garantieren, ein Besuch lohnt sich, um in eine faszinierende Vergangenheit einzutauchen!

 

 


CELTOIA

Eine Bücherwelt angesiedelt im Noricum der späten Eisenzeit, inzwischen mehr als 13 Romane voller Spannung, Abenteuer und Liebe.

Tauch ein in die Welt der Kelten und fühle den Pulsschlag jener Zeit in dir!

 

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Celtoia -- meine Buchwelt zur späten Eisenzeit (und ein paar verbundene Ableger)

Randbemerkung: Ich bin Autorin, keine Historikerin, Archäologin oder Zeitreisende (das wäre spannend ...), ich gebe in meinem Blog einerseits nur meine Meinung weiter und andererseits Wissensbissen, die ich im Zuge meiner Recherchen für meine Keltenromane aus den verschiedensten Quellen zusammengetragen habe. Da ich jemand bin, der sich zwar Informationen und Geschichten merkt, aber nicht wissenschaftlich arbeitet, verzeiht bitte, dass ich (meist) keine Quellenangaben mache, schon gar nicht zu Wissensbissen, die man in vielen Quellen findet.

 

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